12 Tage Süditalien

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Es hat alles ganz harmlos begonnen: Freunde haben uns für ein paar Tage zum Olivenernten in ihr Haus in den Marken eingeladen. Wir haben natürlich sofort zugesagt – was für eine schöne Einladung – und dachen: wenn wir schon dort sind, besuchen wir auch gleich Mario in Apulien, einen beruflichen Freund und Uniprof aus Bari, um ein mögliches Projekt zu besprechen. Der hat dann kurzfristig abgesagt und so hatten wir plötzlich weitere 7 Tage frei zur Verfügung.

Also sind wir nun plötzlich in Süditalien und finden uns in Mitten  uns völlig unbekannter und überwältigend schöner Landschaften und Orte. So faszinierend, dass ich beschlossen habe davon zu erzählen, inklusive Tips und Fotos.

Ankunft in Rom

Wir fliegen von Wien nach Rom – mit Eurowings – und nehmen uns ein Mietauto. Weniger Stress auf italienischen Autobahnen und mittlerweile sind Flüge und Mietautos so günstig, dass man sehr gut überlegen muss, mit dem eigenen Auto so weite Strecken zu fahren (Wien – Apulien – Wien).

Man merkt sofort dass man in Italien ist, wenn man zwar 30 Minuten auf das Gepäck warten muss, dafür aber, gleich neben dem Gepäcksband, durch eine Bar mit dem ersten herrlichen Espressi und Cornetti entschädigt wird. Oder wenn einem der freundliche Agent bei der Autovermietung nochmal 100 Euro Versicherung zusätzlich abknöpft, weil in “Apulien ist das Auto freilich nicht versichert sei, da ja soo ungemein gefährlich und es natürlich dort auch keinen Abschleppservice (außer man zahlt) gibt..” Apulien ist dann eher gar nicht so gefährlich, wie sich später noch herausgestellten wird, ganz im Gegenteil.

Und wenn man von einem Auto empört angehupt wird, das uns auf unsrer Spur entgegen kommt – bella Italia. Und wenn eine Stadt noch schöner ist als die andere und man sich fragt, warum man noch nie etwas davon ihr gehört, gelesen oder gesehen hat. Und wenn viele Autos aus dem vorigen Jahrtausend unterwegs sind.

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Oliven ernten in den Marken

Wir fahren durch die herbstlichen Abruzzen, die Bäume zart verfärbt und die Bergspitzen schon weiß. Die Sonne scheint goldig und das Leben ist schön. Der Blick fällt auf eine leicht hügelige Landschaft, in der Oliven, Wein uns sonstiges angebaut wird, ab und zu entdeckt man auch Schafherden in Form von weißen Pünktchen.

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Wir kommen bei den Freunden an, dort hat sich schon eine illustre internationale Runde versammelt und ein Sprachengewirr aus Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Deutsch empfangen uns, es gibt Mittagessen und dann auf in die Oliven. Olivenernten ist eine wunderschöne Tätigkeit, die körperlich sehr fordernd ist und auch ein wenig logistisches Talent braucht. Man hantiert mit riesigen Netzen, die unter die Bäume ausgelegt werden. Dann werden die Oliven mit der Hand, einem Rechen oder einem elektrischen – recht schweren – Rüttler vom Baum geerntet, in die Netze hinein. Danach heißt es aufpassen, dass man nicht auf die Oliven tritt. Jetzt werden sie vorsichtig in Kisten gefüllt und jeden Abend zur örtlichen Olivenpresse gefahren. Am nächsten Tag kann man sein Fass holen. Aus 10 Kilo Oliven werden so ca 1-1,4 Liter goldgrünes herrliches Olivenöl.

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Dieses Jahr gibt es eine fette Ernte (nach einem Ernteausfall in Vorjahr) und am Ende der 5 Tage sind die Olivenölfässer gut gefüllt, und wir alle glücklich und zufrieden. Unsere Körper spüren wir jetzt auch gut, aber die Verspannungen in der Schulter sind leicht zu ertragen angesichts des Stolzes über die gemeinsame Leistung. Die Pasta am Abend bei Gloria schmeckt dann besonders gut und die gefüllten, panierten und frittierten Oliven – eine Spezialität der Region – einfach herrlich – das Leben ist gut.

In der Nähe gibt es Orte mit klingenden Namen wie Grottamare, Acquaviva Picena oder Ascoli Piceno, herrlich.

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Irgendwann sind die Bäume geerntet, das Öl gepresst und unsere Freunde wieder am Weg nach Wien und wir ziehen weiter – aber wohin? Wir haben noch nichts geplant.

Vieste und die Gargano Halbinsel

Wir schauen im Internet, welcher Ort in ca 4 Stunden Entfernung liegt und schön aussieht. Die Wahl fällt auf Vieste auf der Halbinsel Gargano, einem spektakulärem Naturschutzgebiet.

Vieste ist ein typisch italienischer Urlaubsort mit langen Stränden, einem prachtvollen Centro Storico und vielen B&Bs. Es ist bereits Anfang November, die Tage sind warm und kurz und die Nächte lang und kalt. Die Saison ist zu Ende, aber ohne Tristesse des Saisonendes. Die Bars sind voll mit fussballschauenden Männern in Lederjacken und tagsüber ist es angenehm ruhig.

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Es ist gerade Halloween und Horden von Kindern ziehen durch die Stadt auf der Suche nach Süßem. Bei der Supermarktkassa dann das Drama: manche Kinder haben scheinbar weniger als andere vom Kassier bekommen, mit großen Gesten wird nachverhandelt und der genervte Mann rückt noch ein paar Zuckerl heraus.

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Eine atemberaubend schöne Küstenstraße führt uns entlang von Olivenhainen, Wäldern und Bergen zum Vignanotica Beach, der magisch und großartig, fast bedrohlich beeindruckend ist. Selten so einen mächtigen Ort gesehen. Mein Mann reißt sich wie immer in der Nähe von Wasser die Kleider vom Leib und wirft sich in die Wellen. Es ist diese seltsame Zeit, in der die Nacktbader und Spaziergängern in Daunenjacken aufeinander treffen.

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Zurück geht es durch einen wunderschönen Wald im Parco Nazionale di Gargano. Es ist eine ganz andere Art von Wald, als ich ihn sonst kenne, er hat etwas sehr Zartes und Durchlässiges an sich, ebenso wie ein Ungezähmtes, Magisches und Geheimnisvolles.

Über Bari nach Lecce

Das nächste Ziel ist Lecce, die Provinzhauptstadt von Apulien, noch nicht viel davon gehört, aber auf den Fotos sieht sie interessant aus – insbesondere das Foto von einem riesigen Amphitheater mitten in der Stadt fasziniert mich. Am Weg dorthin halten wir in Bari  –  mir bisher nur als Hafen für Autofähren nach Griechenland aufgefallen. Auch hier wieder: wunderschöne Altstadt, diesmal übervoll von Touristen, überall hört man Deutsch, es sind Herbstferien. Der Ort lädt mich trotzdem nicht zum Verweilen ein.

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Lecce hingegen ist eine bezaubernde und fröhliche Stadt. Es ist 1. November und ein Feiertag und die ganze Stadt ist in der Stadt. Entlang der Hauptachse sind so viele Menschen unterwegs, dass ich zuerst an eine Prozession denke, ist es aber nicht. Überall kleine Stände, Märkte und Flohmärkte in wunderschönen Innenhöfen.

Lecce ist bekannt für seinen speziellen Lecce-Barock, der weiche Tuffstein ist ideal zum Bearbeiten und die Häuser wirken zum Teil wie verkitschte Hochzeitstorten. Aber sehr charmant, sehr einladend, willkommen heißend. Ein Platz schöner als der andere und dazwischen ein riesiges Angebot an Bars, Restaurants, Osterien, Pizzerien, Aperitifs.. viele Lokals sind super stylisch, die Bars wirken hip und die Leute fröhlich. Ich hatte so eine Art verarmten und gefährlichen Süden erwartet und dann komme ich in diese leichtfüßige, freundliche, schöne Stadt.

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Auch unser B&B Le Bifore ist phantastisch, um 90 Euro pro Nacht wohnen wir in der Deluxe Suite mit Blick über die Stadt, ausgestattet mit Kunst und bewirtschaftet von einem sehr netten und hilfreichen Stefano. Von Lecce aus ist man in 15 Minuten an der Ostküste und in 30 Minuten an der Westküste: je nach Wind würde man auswählen, an welchen Strand man diesmal ginge. Stefano schwärmt von der herrlichen Lebensqualität in Lecce und wir glauben es ihm sofort.

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Die Fahrt zur Südspitze des Stiefelabsatzes führt uns an der Ostküste des Absatzes in den Süden. Grandiose Felsenküsten, türkisblaues Wasser, sauberes klares Meer. Die Anwesen links der Küstenstraße zum Meer abfallend kann man nur vermuten, aber es sieht mehr als vielversprechend aus. Otranto liegt am Weg, ist aber vernachlässigbar. Leerer Urlaubsort mit einer Befestigung.

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Punta Ristola heißt die südlichste Spitze, an sich eine felsige Einöde mit schönem Meer. Ich pose für FB-Fotos… und Christian macht geduldig die Fotos. Danach gehen wir in eines der wenigen noch offenen Lokale: wen langsames Service und schlechtes Essen zu hohen Preisen nicht stört ist im Cafe Do Mar gut aufgehoben.

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Die Entschädigung folgt am Abend in Lecce: selten so gut und so schön gegessen, ich mache ausnahmsweise Fotos vom Essen. (Il Vico del Gusto)

Exkurs: der fesche Barrista

Wir entdecken eine Bar, die zu meiner Lieblingsfrühtstücksbar wird, der Cappuccino so cremig und fein, die Cornetti knusprig und weich und der Barista ist überhaupt mein Liebling: die Stirnfransen sind IN die verwitterte Stirn gegelt und das Slim-Fit Hemd spannt nur ganz leicht über der Brust, aber gerade so, dass sie die wohlgeformten Brustmuskeln betont. Die Ärmel sind gekonnt aufgekrempelt und am Handgelenk prangen ein paar schicke Armbänder. Die Cafe Moves sind meisterhaft. Ich glotze ihn unverhohlen an und mache heimlich ein Foto.

Weiters sind diese Bars wirklich der Nabel des italienischen Gesellschaftsleben, hier trifft sich alles und der Bauarbeiter parliert mit dem Anwalt, der Einheitspreis an der Bar von max 1 Euro (oft auch 90c) pro Espresso und 1,20 pro Cappuccino hebt die Klassen- und Einkommensunterschiede auf – vorm Barista, dem Herrgott des Cafes, sind alle gleich.

In Wien erzählt mir mein Vater, dass Barista in Italien ein 3 jähriger Lehrberuf sei, vielleicht eine Erklärung warum der Cafe in Italien einfach immer besser schmeckt.

Matera

Matera wurde uns von mehreren Seiten empfohlen. Ich dachte dabei an einen weiteren schönen italienischen Ort auf einem Berg, den man in einer Stunde erledigen kann nach dem bewährten Muster: Parken, reinspazieren, den Dom besichtigen, ein Cafe am Hauptplatz, schöne Aussicht genießen, noch eine Runde durch das Centro Storico und Tschüss.

Vorstellung und Realität hätten nicht weiter auseinander liegen können: Matera ist ohne Übertreibung einer der ungewöhnlichsten Orte, an denen ich je war. Ich fühle mich 2000 Jahre zurückversetzt und das ist wiederum kein Wunder, denn genau hier ist der Drehort vieler Jesus Passions- und Sandalenfilme. Unter anderem wurde hier “The Passion” von Pasolini und eine andere mit Mel Gibson gedreht.

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Die Sassi

Die Dramatik ist kaum zu überbieten: Kathedralen und Schlösser an einer tief abfallenden Schlucht, eine Alststadt, die man sich als das alte Betlehem vorstellen kann und die Tatsache, dass bis in die 1950 Jahre 15.000 Menschen mit ihren Tieren in Steinhöhlen unterhalb genau dieser Stadt in unvorstellbarer Armut und Elend gehaust haben, erzeugen eine ganz eigen- und einzigartige Stimmung.  Überall sieht man entlang eines Berghanges Eingänge in die Höhlen, Sassi genannt, einige kann man betreten oder hineinsehen. Eine Energie von Schwere, Elend und Armut ist nach wie vor spürbar, man wähnt sich an einem stark karmischen (nicht karibischen, wie mir die besserwisserische Rechtschreibung vorschlägt) Ort.  Wir sind beide völlig fassungslos und gehen mit ungläubigen Augen durch die Gegend, so etwas hatten wir nicht erwartet und uns auch nicht vorstellen können. Auch, dass wir noch nie davon gehört hatten, wundert.

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Zwar nicht ganz leicht zu erreichen, mitten in der Basilikata (kanntet ihr diese Provinz? ich nicht), aber ich würde trotzdem sehr empfehlen, diesen Ort bald aufzusuchen, am besten in der Nebensaison. Denn Martera durchlauft eine dramatische Transformation und wird 2019 sogar europäische Kulturhauptstadt sein, spätestens dann wird dieser Name in unser kollektives Bewusstsein eingehen. Der Bürgermeister will Matera zu einem high-tech Hot Spot umwandeln und es würde mich nicht wundern, wenn die Höhlen in ein paar Jahren Standort von jungen Tech Start Ups, Hipster Cafes und AirBnBs sein werden.

Maratea

Wir bleiben trotzdem nicht sehr lange, denn wir wollen noch bei Tageslicht zu unserer Übernachtungslocation, die gemeinerweise Maratea heißt und daher schwer zu merken. Maratea war die Empfehlung unseres Hosts Stefano in Lecce, denn wir hatten keine Ahnung wohin.. wir dachten an eine Fahrt durch Kalabrien, aber er meinte, da gäbe es nix wirklich zu sehen.

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Ich wiederhole mich: wir fahren durch eine schöne Landschaft, Berge, Orte, Felder, einfache Straßen, wenig los, wir sind echt im Süden an der Grenze zu Kalabrien und dann kommen wir irgendwann an der Küste an, ganz genau in dem Moment als die untergehende Sonne den Meereshorizont berührt, manchmal hat man Glück.

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Wir finden das Quartier, ein wunderschönes B&B mit original 1950er Einrichtung (for the better and the worse), einem entzückenden Host, der uns Tee serviert. Wir sind die einzigen Gäste und er freut sich sichtlich über uns. Es ist 17:30, stockdunkel und wir haben Hunger. Wir warten bis 18:30, gehen in das empfohlene Lokal, warten bis es um 19:00 aufmacht und als wir dann mit dem Essen fertig sind, kommen die ersten Gäste.

Nach einer Nacht unsäglich schlechten Schlafes in einem engen und wackeligen 50er Jahre Bett mit Fussende (wir sind beide 1,80 plus), schaffen wir es irgendwie bis zum nächsten Morgen. Die Sonne strahlt, es ist warm, der Ausblick grandios und die Nacht ist wie von Zauberhand weg gewischt, unser Gastgeber übertrifft sich selbst mit einem ganz und gar unitalienischem Frühstück: Ham & Eggs, Kuchen, Cornetti, Obstsalat, Joghurt, Fruchtsaft, Marmelade, Brot, Cafe, Tee, was noch. Ich sage nur: Hoch lebe die Nachsaison.

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Der Spaziergang zum Strand eröffnet wiederum eine neue Dimension von Küste: das Wasser glitzert wie meine Swarovski Handyhülle (wer mich kennt, weiß was ich meine), wir haben schon am Vormittag milde weiche Nachmittagssonne wegen des niedrigen Sonnenstandes, das Wasser spielt mit den Farben unserer neuen Regierung im schönsten blau-türkis-schwarz. Es ist so schön, so warm und so einsam, dass man vor Glück schreien und sich ins Wasser stürzen will. Tun wir dann (noch) nicht, weil die Steine spitz sind und der Strand überflutet. Aber dann, bei einem anderen Strand, da gibt es sogar eine Leiter. Wir schauen uns kurz um, niemand da, also runter mit der Wäsche und rein ins Wasser. Es ist mittlerweile der 5. November, das Wasser angenehm kühl und die Luft warm. Wir haben Glück, es könnte um die Zeit auch regnen und das tut es auch. Ab dem 6. November.

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Danach schauen wir noch Maratea an, netter Ort etc, und es geht auf einen Berg rauf auf dessen Spitze eine riesige Jesus Statue steht, so ähnlich muss es sich in Rio anfühlen – fast halt. Christian muss wieder ein FB-Touristenfoto machen.

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Wir fahren die Küste Richtung Norden und fragen uns gerade, warum alle so ein Theater wegen Big Sur und Highway Number One machen, wenn man diese Küste in 90 Flugminuten vor sich hat. Mindestens so schön, genauso steil und ebenso dramatisch. Ich bin immer wieder erstaunt: wie kann man sowas völlig übersehen haben bisher? Natürlich ist die Amalfiküste wunderschön, aber nicht so viel schöner als diese, von der selten die Rede ist. Na ja, es fehlen die großen Orte, dies ist eine Küste der stillen Schönheit, zurückhaltend und ohne jede Aufdringlichkeit.

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Nach der Fahrt durch einen Nationalpark machen wir Pause in Akropoli. Der Strand liegt verlassen da, sieht aber sehr schmuck aus mit den bunten Booten.

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Das offene Strandrestaurant ist noch auf Halloween gebürstet, innen wie außen, die Deko kann locker mit jedem amerikanischen Einfamilienhaus um diese Jahreszeit mithalten.

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Neapel

In Neapel waren wir heuer schon und davor auch und kennen es ziemlich gut, weswegen wir unseren Lieblingsplatz, die Piazza Bellini ansteuern um danach im spanischen Viertel eine Pizza um 5 Euro zu essen. Anschließend schnell ins Hotel, denn es bricht ein Gewitter los, das infernalisch vom Golf auf die Stadt peitscht. Wir sind jetzt froh, dass wir nicht das Zimmer mit Seeblick haben sondern in den Innenhof schauen, das Heulen ist immer noch laut genug, es fühlt sich alles sehr geborgen an. Wir schauen uns in der ARD TV Thek den Sonntagstatort an und freuen uns auf Wien.

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Gaeta

Über Gaeta geht es nach Rom. Gaeta hat für mich eine besondere Bedeutung, weil mein Neffe Kajetan heißt, Gaetano, also einer, der aus Gaeta stammt. Er ist zwar aus Wien, heißt aber trotzdem so. Gaeta ist sehr schön gelegen, auf einer Halbinsel, die rückwärts steil zum Meer abfällt, der Ort ist auch eine wichtige Militärbasis. Ein fettes Kriegsschiff liegt im Hafen, so groß wie eine Stadt.

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Der Himmel hat sich eingetrübt, es ist auch eher kalt und die Weihnachtsbeleuchtung wird gerade aufgehängt. Spätestens jetzt merken auch wir: summer is over.

Das ist dann auch das Ende der Reise, es kommen noch so unspannende Sachen wie Fahrt nach Rom, Rückgabe Mietauto, und Gepäck einchecken. Dort spielt sich noch eine herrlich Szene ab: wir sind gemeinsam mit ein paar anderen ca. 30′ vor CheckIn Beginn am Schalter und warten. Ein Ehepaar ist die Nummer eins in der Schlange und als die zwei Schaltermenschen von Eurowings endlich auftauchen, beginnt der Mann noch ungeduldiger zu werden, das Gesicht verzieht sich zu einer Fratze, der Körper spannt sich, die Mundwinkel hängen noch weiter runter als bei Angela Merkel und ganz genau beobachtet er die beiden Schalterangestellten: Wer ist schneller? Wo geht es zuerst los? Soll er sich links oder rechts hinstellen? Es scheint loszugehen bei einem und sofort eilt hin. Doch nicht, halt! Dann wirkt der linke Schalter plötzlich als würde er öffnen, er schnell zurück. Man merkt die Panik, vielleicht doch nicht als Erster dranzukommen, was nun ja wirklich sein gutes Recht wäre. Dann: die Lösung aus dem Dilemma. Er platziert unauffällig einen seiner beiden riesigen Koffer beim rechten Schalter und stellt sich zum linken. Wir anderen werfen uns schon belustigte Blicke zu und beginnen das Geschehen launig zu kommentieren, als würden wir ein Fussballspiel sehen. Endlich, endlich öffnen die Schalter, alles geht seinen gerechten Gang und wir alle lassen ihm natürlich den Vortritt. Er hat gewonnen. Als dieser Herr sich dann in Wien in einer Doppeltüre verhaspelt, dabei den Alarm auslöst, weil er zu schnell nach seiner Frau reingetreten ist, musste ich so lachen, dass ich hoffe, er hat es nicht gemerkt.

Wien

Hier ist es auch schön. Der Kirschbaum hat sich in der Zwischenzeit gelb verfärbt und die Sonne scheint. Von mir aus kann der Winter jetzt kommen.

 

 

 


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