10 Tage in Marokko

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Das ist mein erste Reisegeschichte. Der Text besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die unabhängig voneinander gelesen werden können, ganz nach Belieben. Man kann sich auch nur die Fotos ansehen. Am Ende füge ich dann noch einen kleinen Reiseführer an mit ein paar Tips und Empfehlungen.

Marokko

Ich wollte – gefühlt – schon immer nach Marokko. Diese Bilder von der Wüste, dem Meer, den Oasen, den schneebedeckten Gipfeln des hohen Atlas und den bunten Städten haben sich festgesetzt. Der Winter in Österreich war zwar wunderschön, aber Ende Februar/Anfang März ist es dann mit der Geduld zu Ende. Ich mag dann einfach keinen trüben Himmel und eintönige Farben mehr sehen, ich bekomme Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Farben. Also los.

Minimalplanung

Wir buchen Flug und Hotel für zwei Nächte, alles Weitere wird man sehen.. wir haben eigentlich keine Ahnung, wie man sich in Marokko bewegen kann.. ob es sicher ist, wie die Straßen sind und wohin wir genau wollen. Marokko ist aber sehr leicht zu bereisen, wir mieten ein Auto und gehen mit dem Fluss. Wir planen immer 1-2 Tage im voraus und das reicht völlig.

Im Riad 

Über booking.com kann man wunderbare Riads (ehemalige Patrizierhäuser, die zu Hotels umfunktioniert sind) mitten in der Medina, der Altstadt von Marrakech buchen, eines schöner als das andere. Wenn man so wie wir nicht gerade das SuperLuxus Riad um 350 € braucht kann man um wohlfeile 40-80 Euro für das Doppelzimmer inkl. Frühstück in den schönsten Häusern wohnen. Sie sind hinter versteckten Türen und unmöglich zu finden.

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Alkohol

Es ist verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Das heißt aber nicht, dass es keinen gibt. Sebastian, der französischer Besitzer unseres ersten Riads in Marrakech, begrüßt uns und führt uns in die Speisekarte ein. Er zeigt auf eine leere Seite und sagt: das ist die Alkoholkarte: Bier 5 Euro und Wein 15 Euro.

Es ist trotzdem eine gute Gelegenheit, wenig Alkohol zu trinken, häufig gibt es gar keinen. Nach einem heißen Tag in der Wüste bekomme ich Riesenlust auf ein kaltes Bier..und bekommen aber was?

Tee!

Tee wird überall und dauernd getrunken. Zur Begrüßung, zum Abschied, nach dem Essen und mittendrin. Aus winzigen Teegläsern und wenn man gekostet hatIMG_7510, weiß man auch warum. Der “Thé a la menthe” ist kein Pfefferminztee, sondern ein extrem starkerGrüntee, der zu ca 50% aus ucker besteht und ein paar Minzblätter dabei hat.

Man  sagt, dass der Tee Tote lebendig machen kann und so muss es sein. Nach ein paar Schlucken beginnt mein Herzu zu rasen und ich bekomme Magenschmerzen. Ich gewöhne mich daran, den Tee langsam zu trinken, denn kaum ist er leer, wird nachgefüllt. Und etwas übrig zu  lassen ist höchst unhöflich.

Bemerkenswert ist, dass ein durchschnittlicher ländlicher Haushalt 25% seines Gesamteinkommens für Tee und Zucker ausgibt. Das lässt sowohl auf die Höhe des Einkommens als auch auf die Bedeutung von Tee schließen sowie den Gesundheitszustand

Landschaften

Ich kann kaum beschreiben, wie grandios und abwechslungsreich und überraschend die Landschaften sind. Dafür bin ich zu wenig Schriftstellerin oder Poetin, mir fehlt die Übung, diese Farben, zwischen ocker und giftgrün, die Topographie der Berge, die Formen der Täler, die Gerüche und die Tierlaute zu beschreiben, die bunten Gewänder der Menschen und die Palmen und Wüstenmischungen zu beschreiben. Deswegen lasse ich auch hier die Bilder sprechen, mit ein paar Eindrücken. Es ist aber so, dass die Fotos das live Erlebnis nur sehr schlecht nachvollziehen lassen und natürlich hat meine iPhone Camera auch ihre Grenzen.

Jemaa el Fna

Angeblich der berühmteste Platz Afrikas, mitten in Marrakech. Hier findet man Schlangenbeschwörer, Musiker, Geschichtenerzähler, Akrobaten, dressierte Affen und so weiter. Überall bilden sich kleine Grüppchen und man muss näher hingehen, wenn man etwas sehen will. Wir nähern uns der mit Abstand größten Menschentraube am Platz: der Boxkampfring. Jeder Mann aus dem Publikum kann den Profiboxer herausfordern, dann wird gewettet und danach gekämpft. Das Publikum ist völlig begeistert. Gegen Männer im Faustkampf kann kein noch so poetischer Geschichtenerzähler ankommen.

Wir haben dafür Affen und Schlangen umgehängt, so schnell kann man nicht schauen. Dann wird man gedrängt, Fotos zu machen und dann natürlich üppig zu bezahlen. Ich frage mich, ob das ethisch vertretbar ist, artgerecht ist das nicht. Eine lange und schwierige Diskussion.

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Die Henna-Frau

Auf der Jemaa el Fna sitzen allerhand Frauen die Touristen mit Henna verzieren, an Händen, Füße und sonstwo. Sie werben aggressiv für ihre Dienste, eine Frau schnappt einfach meine Hand und beginnt auf mich einzureden und meine Hand zu verzieren mit Mustern und Zeichen “.. and this is for happiness and this is for good sex with your husband and this is for health and long life..” dagegen ist an sich nichts einzuwenden.

Dann verlangt sie aber vehement 450 Dirham, das sind ca 40 Euro. Das ist nicht nur für marokkanische Verhältnisse ein unglaublicher Preis. Ich bin gerade erst vor ein paar Stunden aus Wien gelandet und nIMG_7344och nicht ganz drinnen in der Kultur. Also richtig kalt erwischt und ich bin so verdutzt, dass ich ihr am Ende 200 Dirham gebe, und 100 Dirham zieht sie mir dann noch aus der Tasche. Vermutlich hätte ich ein schöneres Henna Tattoo für 30 Dirham bekommen.  Ich ärgere mich sehr über mich selber, komme mir so blöd vor. Im Cafehaus mit Blick über den Platz sehe ich 3 deutsche junge Frauen am Nachbartisch, sie haben ebenfalls “verzierte” Hände.  Wir finden heraus, dass es ihnen ähnlich erging, dass die Frauen richtig aggressiv waren und dann lachen wir und sagen: “lass es das Schlimmste sein, was uns auf dieser Reise passiert..” so war es dann auch.

Von Muezzinen und Hunden

Der Muezzin ruft 5 mal pro Tag zum Gebet, wobei Tag relativ ist. Der Tag beginnt nämlich laut Muezzin um 4 Uhr in der früh, die Sonne geht dann aber noch lange nicht auf. Man gewöhnt sich schnell dran und manchmal singen die Herren richtig schön, manchmal plärren sie in schlechte Lautsprecher und dann hebt ein Singsang an, das wie Motorräder, die langsam Gas geben, klingt.

In der Nacht heulen dann die Hunde gerne mit und man hört eine Mischung aus Menschen und Hundegesang. Wir finden, dass die Hunde die Autorität der Muezzine ein wenig untergraben und ich musste jedesmal lachen, wenn das Konzert losging. Urkomisch.

Kinder

Die Marokkaner lieben Kinder, sie sind ein Segen und ein Geschenk. Sie sind auch in den Hotels sehr willkommen, es gibt sehr viele “Familienzimmer” mit 4 Betten, man reist mit Kindern. In den Hotels werden sie vom Personal gehätschelt und verwöhnt und fühlen sich sichtlich wohl. Wenn Kinder kreischen oder weinen, regt das Niemanden auf. Hätte ich Kinder, würde ich mit ihnen nach Marokko reisen..

Kinder sind auch das Thema Nummer eins, ich werde oft gefragt, ob ich Kinder habe, das ist ganz ganz wichtig. Ja, natürlich, zwei, aber die sind schon groß, dass es Stiefkinder ist, ist ein Detail am Rande. Denn keine Kinder haben geht nicht und kleine Kinder haben, die man zu Hause lässt, auch nicht.

Die süßen Kleinen tauchen manchmal aus dem Nichts auf und verlangen nach einem “Stilo” oder “BonBon”. So hat man bald eine kleine Kinderentourage um sich. Ob man den Kindern etwas geben soll oder nicht, ist umstritten. Auf keinen Fall Geld, und BonBons nur, wenn man zu Besuch ist, so ist die gegenwärtige Meinung.IMG_0189

Ich habe also nichts und als ich wieder von den Kindern bedrängt werde (Christian wird nie belagert, er scheint da eine bestimmtere Ausstrahlung zu haben), drehe ich den Spieß um. Ich halte die Hand auf und verlange meinerseits nach BonBons und Stilos. Sie klatschen mir auf die Hand, ich sage “Merci”. Dann halten sie die Hand auf, ich klatsche ihnen drauf. Wir spielen miteinander. Dann nehme ich ihre Hände und drehe uns im Kreis bis ihnen schwindlig ist. Es scheint eine neue Erfahrung für sie zu sein. Besser als Kugelschreiber, mit denen sie ohnehin nicht viel anfangen können.

Einmal begegnen wir einem schüchternen kleinen Buben auf der Landstraße. Wir steigen aus, um die Kamele seines Vaters zu bewundern und die schöne Aussicht zu genießen. Christian nimmt Kontakt auf und er schaut mit großen Augen. Ich will ihm doch etwas geben. Im Auto befand sich schon bei der Übernahme ein scheußlicher pinker Plastikbecher auf dem “Dreamworks” steht. Den überreiche ich dem Buben und er ist ganz verwundert und begeistert. Es gibt sogar einen integrierten Strohhalm. Als wir später nochmal vorbeikommen, lauft er uns nach, winkt und hält strahlend den Becher hoch. Der Vater schaut auch beglückt drein. Das sind berührende Momente.

Im Teppichgeschäft

In der kleinen Provinzstadt Agdz am Beginn des Vallée Du Dra suchen wir eine Apotheke um Augentropfen zu kaufen. Plötzlich steht wieder der Typ vor uns, der uns bei unserer gestrigen Ankunft “empfangen” hat. Egal, wo man als Tourist stehen bleibt, ist jemand schon vorher da, der seine Dienste anbietet.

Diesmal hat er aber eine Bitte: ob ich für ihn einen Brief auf englisch schreiben könne, an Peter aus London von Ärzte ohne Grenzen. Er arbeite für eine kleine Hilfsorganisation, die den Menschen in der Sahara bei Augenkrankheiten hilft. Da hat er wieder die Richtige erwischt, mein Helfersyndrom ist voll aktiviert.

Zufälligerweise befindet sich die Schreibstube im dritten Hinterzimmer seines Teppichgeschäftes. Es gibt natürlich Tee und unser Gastgeber diktiert mir einen recht umständlichen Brief, den ich noch eifrig ausschmücke. Man brauche Augentropfen und 5 Menschen würden auf eine Augen Operation warten. Wie sehr man sich auf Peter freue, sogar die Hochzeit der Schwester habe man auf Ende Mai verschoben, damit er und sein ganzes Team teilnehmen könne, alle sind eingeladen! Es ist wirklich rührend.

Während der Briefaktion betritt ein zweiter Mann den Raum, er ist in Sahara Montur und behauptet er sei Touareg und direkt aus der Wüste komme (später erfahren wir, dass es in Marokko gar keine Touareg gibt, aber sie kommen bei Touristen gut an). Christian und ich werden auch gleich als “Touareg” verkleidet und dann zeigt man uns die schönen Waren aus der Wüste. Die Teppiche von einer Frauenkooperative aus der Wüste, die keinen Mann (mehr) haben und denen geholfen werden müsse. Auch da erwischt er mich wieder, Frauen unterstütze ich natürlich am allerliebsten. Nach langem hin und her kaufen wir einen kleinen türkisen Teppich und 2 Saharatücher, die uns noch gute Dienste erweisen werden. Vom Brief und Peter ist keine Rede mehr, ich bekomme nicht mal ein winziges Geschenk als Dankeschön.IMG_7404

Danach führt er uns noch in die Apotheke, die bestens bestückt ist. Wir haben die Auswahl zwischen antibiotischen Tropfen, Salzlösungstropfen und vielem Mehr. Spätestens jetzt werde ich misstrauisch, ob es diesen Peter wirklich gibt. Wir sind hier nicht in einem Entwicklungsland, sondern in einem Land, das sogar im hintersten Winkel recht gut mit Augentropfen aller Art ausgestattet ist.

Später am Abend erfahren wir von Spaniern, deren Autopannenhilfsaktion für einen Marokkaner ebenfalls im Teppichgeschäft geendet hat. Wir erzählen unsere Briefgeschichte und amüsieren uns über unsere eigene Naivität..

Casa Juan

Gefühlt am Ende der Welt, kurz bevor die Straße in der Sahara sprichwörtlich endet und nur eine dünne Gebirgskette Marokko von Algerien trennt, steht die Casa Juan. Eine wunderschöne Gästevilla im Berberstil, in dem jedes Zimmer ein anderes Land zum Thema hat. Der Besitzer Juan Munoz ist ein Spanier, der nun mit Frau und Kind in Marokko lebt und 3 tolle Hotels hat: Die Casa Juan, die Oasen Lodge Hara Oasis und ein LuxusRiad in Ouazarzate, wo die Hollywood Schauspieler wohnen, wenn sie ihre Sandalenfilme hier drehen. Juan ist auch und vor allem Fotograf und Abenteurer, überall hängen Bilder und das Haus ist mit Souvenirs und Kunst aus Afrika, Indien und Südamerika bestückt. Er selber ein extrem sympathischer und lustiger Typ, eine echte Bereicherung.

Wir sind die einzigen Gäste und fühlen uns wie die Privatgäste von Juan. Es ist herrlich.

Das Besondere an der Casa Juan ist außerdem seine Lage in einer Wüstenoase am Rande der Welt, übrigens der ersten, die Karawanen nach 52 Tagen in der Wüste aus Timbuktu kommend erreicht haben. In dieser Oase gibt es mehrere sehr ursprüngliche Berberlehmdörfer und eine alleinstehende riesige Düne. Obwohl die Sahara noch 20 Autominuten entfernt sind. Juan liebt diese Düne. Sie ist der Grund, warum er genau hier ein Haus haben wollte.

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Schon von Weitem sieht man sie und wir parken in der Nähe. Auf dem Kamm der Düne sehen wir einen kleinen Punkt. Juan sagt, dass er das Gepäck verstaue, wir sollten schon mal vorgehen, wir würden uns bei dem Punkt auf der Düne treffen.

Es ist gerade herrliches Nachmittagslicht, und der Sand leuchtet in diesem typischen Sahararot. Wir nähern uns der Düne und erkennen die Umrisse eines Mannes im Schneidersitz. Wir besteigen den gewaltigen Miniberg und was sehen wir? Einen schönen Mann in Blau mit – was sonst – einem Tablett mit Tee und Gebäck. Teatime auf der Düne. Unser Empfangsinszenierung, und sie verfehlt ihre Wirkung nicht. Wir trinken Tee, schweigen, schauen über das Land, unterhalten uns mit Mohamed und Juan und fühlen uns wie im Himmel auf Erden.

Französisch

Ich dachte wirklich nicht, dass mir mein Schulfranzösisch noch mal nützlich sein könnte. Denn in Frankreich die Franzosen – so scheint es – sprechen inzwischen sogar lieber Englisch als sich mit meinem gebrochenen Französisch abzumühen.

Die Marokkaner sprechen viele Sprachen, auf jeden Fall arabisch und so sie Berber sind, eine ihrer diversen Berbersprachen, dann Französisch, viele auch gutes Englisch und die Händler in den Souks sprechen weitere Sprachen, auch Deutsch. In den ländlichen Gebieten wird es dann schon schwerer und oftmals ist schlechtes Französisch auf beiden Seiten das Einzige, was bleibt. Ganz ohne Französisch kann es schwierig werden. Man kommt aber schnell rein, Christian, der diese Sprache nie gelernt hat, hat sich nach 10 Tagen problemlos verständigen können und ich war etwas frustriert, dass ich nicht mehr glänzen konnte.

Von Farben und dem Licht

Die sind fast das Beste. Das Licht is so strahlend und intensiv, die Farben herrlich. Die Bougaineville so intensiv pink, das Gras so giftgrün und die Wüste so rot.

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Männer

Männergruppen dominieren das Straßenbild. Auch in den Lokalen und Cafes gibt es kaum Frauen. Außer in den typischen Touristen und “Franzosencafes” dort sind natürlich auch gemischte Paare und Gruppen. Die Männer bleiben untereinander in der Öffentlichkeit und ich nehme an, die Frauen bleiben auch untereinander im Privaten. Die Männer treffen sich also in diesen gekachelten Cafes mit Neonbeleuchtung und Plastiksesseln und trinken – Tee. Irgendwo hängt immer ein Fernseher von der Decke, auf den dann alle schauen. Fussball oder arabische Fernsehshows. Ich habe auch oft FC Barcelona oder Real Madrid Fahnen gesehen.

Mich lassen sie völlig in Ruhe, ich habe zwar von einer Freundin gehört, dass sie in Fes sehr belästigt wurde, nicht aber in Marrakech. Außerdem bin ich mit einem Mann an meiner Seite unterwegs, das hilft auch. Aber während ich die Männer in Ägypten völlig zudringlich und unverschämt fand, ist mir das in Marokko kein einziges Mal aufgefallen. Sie wirken respektvoll und zurückhaltend. Ich bin allerdings auch nicht mit Hotpants herumgelaufen, wie eine Frau aus dem Hotel.

Kamele, Esel, Schafe und Ziegen..

… findet man fast überall. Die Kamele, die Dromedare sind, aber jeder sagt camels, faszinieren jedesmal, wenn ich sie sehe. Sie haben so ein liebes G’schau (auf gut wienerisch) und erinnern an Bilder von Dinosauriern mit ihren langen Hälsen und gebogenen Rücken. Sie geben diese ungewöhnlichen röhrenden Laute von sich und ich fühle mich wie in den Urzeiten des Lebens.

Schön ist es auch, wenn ein erwachsener Mann auf einem Esel dauergaloppiert kommt, die Beine wippend weggesteckt. Esel machen winzige ganz schnelle Schrittchen, daher holpern sie ganz besonders. Esel schleppen Lasten, entweder in Taschen oder auf einem Karren, den sie ziehen. Oder so wie unseren sperrigen Koffer direkt auf dem Rücken.

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Schafe und Ziegen können jederzeit in ihren Herden über die Straßen verteilt sein, oft weichen sie unserem Auto nur sehr unwillig, manches Tier bleibt einfach mitten auf der Straße stehen.

Handeln im Souk 

Da musste ich erst reinkommen.. im Reisführer standen allerhand Tips und Anleitungen, aber so richtige Regeln gibts dann wieder nicht. Da muss man einfach üben und ausprobieren und spielen wollen. Die Marokkaner sind sehr verspielt und haben einen  kindlichen Humor, da kann man sie packen.

Also meine Anleitung klingt in etwa so: Du gehst durch den Souk und Du wirst überall aufgefordert einfach mal zu schauen. “just looking”. Du schaust auch, weil es ist überwältigend, und manche Sachen wirklich schön sind. Sobald Dich etwas interessiert, ist der Verkäufer auch schon zur Stelle. Da reicht eine Millisekunde aus dem Augenwinkel geschaut, sie merken es. Gut, Du schaust Dir die Sachen an, alles wird erläutert. Dir gefällt eine kleine Schale. Du fragst den Händler: “was soll die kosten”? Er fragt wieviele Gegenstände Du kaufst, weil dann kann er Dir einen “globalen Preis” machen. Du sagst “naja, vielleicht die Schale und noch diese Kanne dazu”.

Dann sagt der Händler, dass er Dir jetzt den Superspezialpreis macht “just for you, first client today, because I like you..” und dann kommt irgendein Betrag. Du hast natürlich keine Ahnung, was angemessen ist dafür, das weiß nämlich niemand hier so richtig. Wie auch immer der Preis ist, ganz egal, Du schaust entsetzt drein und sagt: “Was, 400? Unmöglich, das ist viel zu viel”.

Du bist jetzt schockiert, der Händler betrübt. Er erklärt Dir, dass die Ware besonders toll und schön sei, aber weil Du es bist, bittet er Dich, Deinen Preis zu nennen. Jetzt wird es heikel, denn diesen Preis kannst du später auf keinen Fall unterbieten. Du kannst nicht sagen: “200, oder lieber 150”. Du nennst einen Preis, der die Hälfte bis ein Drittel des genannten ist. Du sagst: “150, mehr nicht”. Der Händler spielt jetzt den Entsetzten.. “was, 150? allein das Material kostet mehr”, ja ja. Dann sagst Du “Ok, das verstehe ich, aber mehr als 150 will ich dafür nicht zahlen, dann halt nicht”. Du machst Anstalten zu gehen. Der Händler sagt: “Ok, OK, what is your final offer?” Du: “150”. Der Händler schaut super gequält: “give me a little more.. 250”. Du “Nein, 150” Er: “OK, 200” Du: “170” Er: “180”. Du “Na gut, 180”. Der Händler: “OK, 180”. Ein bisschen muss man entgegen kommen, damit er nicht das Gesicht verliert, was in diesem Land das Ärgste wäre.

Der Deal ist perfekt. Nun ändert sich die Stimmung schlagartig. Der Verkäufer strahlt, man ist beste Freunde, eine zweite Person packt alles ein, Du übergibst das Geld, die Welt ist in Ordnung und das Leben schön. Dich beschleicht das Gefühl, dass Du doch viel zu viel bezahlt hast, denn wie lasst sich sonst diese extrem gute Laune erklären, nachdem Du dem Verkäufer mehr als die Hälfte runtergerissen hast? Weil er vermutlich noch immer ein sehr sehr gutes Geschäft gemacht hast, aber was solls. Meist sind die Beträge nicht extrem hoch und so kommt Geld ins Land.

Je wertvoller der Gegenstand, desto länger das Gespräch. Für wertvolle Teppiche können schon mal Stunden vergehen. Bei billigen kleinen Gegenständen kann man einfach ein Drittel abziehen und zahlen. Eigentlich weiß man erst dass man den Boden erreicht hat, wenn die Verkäufer einen ziehen lassen, wenn man hart bleibt und nicht mehr zahlt.

Das Handeln ist übrigens auch zwischen den Marokkanern eine Kunst und auch für sie schwer. Je besser man sich auskennt mit der Materie, desto besser kann man verhandeln.

Wenn man sich drauf einlässt, macht es wirklich Spaß, die Theatralik, das Gejammer, die betrübten Mienen, Leid und Freud ganz nah beisammen.

No tourists no money

Wir werden in eine ehemalige Synagoge geführt, in der ein wunderschöner Kunstmarkt ausgestellt ist. Ich sehe einen schönen Gegenstand aus Kupfer und Glas, und frage, was er kosten soll. Ich beginne mit dem üblichen Gefeilsche an und dann überlege ich es mir, vielleicht sollte ich es doch nicht kaufen und sage, es interessiert mich doch nicht. Dann schaut mich der Verkäufer an und sagt: “Please, I need the money. There are no Tourists this year and there are many families depending on this money”. Diesmal habe ich nicht den Eindruck, dass es eine reine Verkaufsmasche ist. Der Mann ist richtig verzweifelt, er fleht mich fast an und sagt, dass er das Geld wirklich braucht. Das ist ungewöhnlich und ich bin sehr berührt davon. Ja, es sind viel zu wenige Touristen gekommen, die Franzosen bleiben aus, die wichtigste Klientel. Ich kaufe den schönen Gegenstand und freue mich jetzt sehr darüber.

Jeder Cent, den wir im Land ausgeben, ist gut, kommt mir vor. Gutmenschen, die wir sind, kaufen das Arganöl von Frauenkooperativen und übernachten auch mal in Privatquartieren von Frauen. So können wir ihnen in ihren Bestrebungen helfen, ökonomisch unabhängig zu werden. Je weniger Touristen kommen, desto mehr werden die Männer gezwungen sein, nach Europa auszuwandern oder sich anderen Themen zuzuwenden. In das Land zu fahren und vorort die Wirtschaft anzukurbeln und dabei noch ein wunderbares Erlebnis zu haben, scheint uns sinnvoll zu sein.

Essen

Es gibt in der einfachen Küche vier Gerichte: Tajine mit Huhn, Tajine mit Rind, Tajine mit Lamm und – theoretisch  – Tajine mit Gemüse, da ist aber auch Fleisch drin zumeist. Dann einen Gurken/Tomaten/Zwiebelsalat. Wir hatten Couscous in allen Variationen erwartet, aber die Beilage ist Fladenbrot.

Das Essen ist auch im internationalen Trend – absolut saisonal und regional, bio weiß ich jetzt nicht, das Fleisch auf jedenfalls, denn das Fleisch kommt von Tieren, die auf Weiden Gras fressen. Man isst einfach, was gerade wächst: Datteln, Orangen, Feigen, Fleisch, Gemüse, Brot, Bananen und alles was die Natur hergibt. In der Nähe zum Meer haben wir auch herrliche Fische am Markt gesehen. Das Angebot ist üppigst, man hat Lust, einzukaufen und zu kochen. Für 5 Euro kann man riesige Mengen an Obst und Gemüse kaufen.

In der Natur

Überhaupt wirkt es so, dass die Menschen einen sehr engen Bezug zur Natur haben und in und mit der Natur verbunden leben. Im Süden leben sie oft noch in Stampflehmhäusern die so aussehen, als wären sie aus dem Boden herausgewachsen. Sie kochen, was gerade wächst und heizen mit Holz, das sie in der Umgebung einsammeln. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, die Menschen leben in ihrer ursprünglichen Form. Das Einzige, was vielleicht auf die Jetztzeit hinweist sind die allgegenwärtigen Adidas Jogginghosen und Mobiltelefone.

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Orte finden

Wir hatten ein Navi, das aber keine einzige Adresse in Marrakech erkannte. Das mit dem Finden ist ein Problem. Ich habe es in 3 Tagen nicht geschafft, das Cafe Nomad zu finden, obwohl ich es am Handy orten konnte. Manchmal steht man zufällig vor dem gesuchten Ort, wie z.B. vorm Cafe Espices. Um die Riads und diversen Lodges zu finden, ruft man eine Nummer an, die einem geschickt wird und macht sich einen Treffpunkt aus. Dann wird man zum Ort geführt.

Offiziell-Inoffiziell

Es gibt keine schwulen Männer in Marokko – offiziell. Inoffiziell ist Marokko aber ein Land, in dem viel geht, es muss aber heimlich sein. Wir haben viele schwule Touristen Pärchen getroffen, die so wie wir die off-season nützen, weil auch sie meistens keine schulpflichtigen Kinder haben. Besonders lustig war der Manager eines Hotels im Süden, er war ganz offensichtlich schwul und hatte das Hotel auch ganz in Weiß und Silber gehalten (sogar die Bourgainville waren nur weiß). Seine Sonnenbrille war dreigeteilt – glänzend/matt/glänzend, sowas habe ich noch nie gesehen. An Christian hat er einen Narren gefressen, die Gespräche waren sehr körperlich und plötzlich haben wir die Megaluxussuite bekommen mit einem 4-teiligen Badezimmer und eigenem Garten.

Wobei es sehr üblich ist, dass Männer mit Männern körperlich sind und Frauen mit Frauen. Es ist üblich, dass Männer bzw. Frauen händchenhaltend durch die Straßen gehen. Berührungen zwischen Männern und Frauen in der Öffentlichkeit hingegen sind tabu.

Said und seine Töchter

Said, unser selbsternannter Reiseführer in Taroudant hat zwei Töchter. Sie gehen auf die Universität, erzählt er. Wir loben ihn, dass er seine Töchter studieren lässt. Dann ist er motiviert und zieht aus seiner Börse einen speckigen Zettel, er sieht aus wie die Kopie eines Zeugnisses. Es sei das Abschlusszeugnis der älteren Tochter und er weist auf eine Zahl hin, die besonders wichtig zu sein scheint: 16,7. Ich bin nicht vertraut mit dem marokkanischen Notensystem, das tut aber nichts zur Sache. “Oh, Deine Tochter muss sehr intelligent sein”. Said lächelt beglückt uns bedankt sich.

Dann zeigt er mir das Handyfoto der Töchter, man erkennt aufgrund der Qualität fast nichts, aber ich sage natürlich “Deine Töchter sind sehr schön” und er ist zufrieden. Es ist überhaupt sehr wichtig in Marokko, dass man einander Respekt und Wertschätzung zollt. Man fragt nach der Familie und zollt Anerkennung für das Haus, die Frau, die Kinder, das Auto, das Fahrrad oder die schöne Frisur und den Schmuck, die außergewöhnliche Köstlichkeit des Tees. Egal. So entstehen und festigen sich die Beziehungen.

Dass der eine oder andere Marokkaner etwas übertreibt, um Lob einzuheimsen oder sich zu überhöhen gehört dazu. Gerade vor Ausländern will man gut dastehen und nicht wie ein Hinterwäldler und so zeigt man, dass man auch eine Österreicherin kennt, mit Beweis: da ist die Nummer, Vorwahl 0043. Oder Said, der uns zum Abschied sagt, dass er Freunde in der ganzen Welt habe und sogar schon Stars wie Mick Jagger die Stadt gezeigt habe. Wir sind entsprechend beeindruckt.

Zeit

“Die Deutschen haben Uhren, wir haben Zeit”.  Zeit zu handeln, Zeit einfach dazusitzen und vor sich hinzustarren, Zeit zu genießen, Zeit Tee zu trinken, Zeit durch die Stadt zu schlendern, Zeit für ausführliche Gespräche über Gott und die Welt. Zeit zu spät zu kommen, Zeitangaben sind relativ.

Said führt uns durch die Medina von Taroudant, eine nette Stadt im Süden, auch “Klein-Marrakech” genannt. Wir schlendern durch die Souks, streifen durch Läden, plaudern vor uns hin, trinken einen Tee. Irgendwann sehen wir auf die Uhr, es sind erst 2 Stunden vergangen, gefühlt ist es viel länger. Als ob sich die Zeit in der Langsamkeit aufblähen würde und unter Druck zusammengepresst würde. In der Früh, wenn ich es eilig habe, fühlen sich 1,5 Stunden eher wie 10 Minuten an.

Da wir so langsam gehen, sehen wir auch viele Details, wir nehmen anders wahr. Vielleicht erzeugt das den Eindruck, dass man viel erlebt, obwohl man wenig macht. In Marokko heißt es: “Les gents pressés sont les gents morts”: Menschen die unter Druck sind, sind tote Menschen. Menschen also, die ihr Leben gar nicht erleben.

Kleidung

Man hält sich als Frau, aber auch als Mann, eher bedeckt. Ist eh besser, auch wegen der Sonne. Gepflegte Kleidung und Aussehen ist für die Marokkaner sehr wichtig, sie sind Statussymbol, bezeugen Respekt vor sich und anderen und helfen, den sonstigen materiellenIMG_0177 Mangel zu kompensieren. Touristen sind für sie reich, allein durch die Tatsache, dass sie sich eine Reise in ein anderes Land leisten können, was für die meisten Marokkaner undenkbar ist. Wenn Touristen nun in abgerissener Kleidung herumgehen, können sie sich das nicht erklären, am Geld kann es nicht liegen, als muss es am mangelnden Respekt liegen. Sie können sich nicht vorstellen, dass manche Menschen auch in ihren Herkunftsländern so herumlaufen. Vor allem, wenn man Spaghettiträger oder kurze Hosen trägt. Für die Marokkaner ist das Unterwäsche. Obwohl, in den Städten sind auch Marokkanerinnen zum Teil sehr “westlich” gekleidet, es ist so und so.

Frauen

Frauen sieht man hauptsächlich mit Einkaufskörben bepackt und alleine. Es ist schwierig mit ihnen in Kontakt zu kommen, manche winken gleich ab, wenn wir sie ansprechen um nach dem Weg zu fragen.

Frauen sind erst seit 2011 gesetzlich dem Mann gleichgestellt, de facto ist ein großes Ungleichgewicht zu spüren. Frauen haben sehr viele und auch körperlich sehr fordernde Pflichten, aber nicht die entsprechenden Rechte.

Besonders in den ländlichen Gebieten ist das Leben für Frauen sehr hart. Sie sind für das Wasserschleppen zuständig, für Wäsche waschen am Brunnen oder Fluss, Kochen, das sehr aufwändig ist, Einkaufen, Kindererziehung, den Haushalt und oft auch die Bestellung der Felder. Während schon die kleinen Mädchen Wasser schleppen und allerhand Pflichten haben, dürfen die Buben spielen. Die genauen Hintergründe kenne ich nicht, was davon kulturell und was religiös begründet ist, es ist einfach auffällig, dass die Männer die harten Arbeiten auf die Frauen abschieben. Insbesondere beim Tragen schwerer Lasten hört das Verständnis ganz auf.IMG_0217

Als wir einmal bei einem jungen Berber zum Tee eingeladen sind, sieht die Szenerie so aus: Mama und die kleine Schwester stehen unten in der Küche und kochen, oben auf der Dachtrasse sitzen die jungen Herren und trinken Tee, essen die feine Pizza, die Mama gekocht hat, spielen und genießen den Sonnenuntergang. Das macht mich sauer. Auch Juan, unser spanischer Host, findet sowas schrecklich: “This is what I don’t like about these countries..”

Oft kümmern sich die Frauen auch ganz alleine um Haushalt, Tiere, Landwirtschaft, versorgen die Kinder und die Alten, während die Männer in den großen Städten oder im Ausland in Fabriken arbeiten. Sie kommen oftmals nur einmal im Jahr im Ramadan zurück.

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Zu Besuch bei den Berbern

Juan, der spanische Abenteurer und unser Gastgeber ist ganz aufgeregt. Wir könnten morgen in das Haus einer Berberin zum Tee gehen. Er hatte über Jahre eine Art Vertrauen zu ihr aufgebaut und nun könnte man sehen, wie sie tatsächlich leben. Es ist sehr ungewöhnlich, als Mann eine Frau besuchen zu können, wenn der Mann nicht zu Hause ist. Wir könnten mitkommen, er würde gerne noch Fotos von ihr machen. Das sei doch eh das interessante an einem Land, die Menschen und ihre Lebensweise kennenzulernen, wir pflichten ihm bei.

Die Berberhäuser sind aus Stampflehm, also einfach Erde mit Wasser, die dann in der Sonne sehr hart wird. Auch der Boden ist aus Lehm und innen sind die Häuser leer und dunkel. Nach unseren Maßstäben wie in einem Rohbau. Die Schlafzimmer sind leere Zimmer, an der Wand sind Matten gelehnt auf denen die Menschen schlafen. Es gibt zwei Küchen, die “open air” Küche mit dem Berberlehmofen, in dem Brot gebacken wird und die Gasküche, in der dann der Rest gekocht wird. Im Wohnzimmer ist lebt ein weiterer Gaskocher, für die Teezeremonie. Unsere Gastgeberin hat ein großes Haus, mit gleich 2 Fernsehern, Statussymbol Nummer ein. Der wird auch gleich eingeschaltet, es plärrt eine unsägliche marokkanische Soapopera heraus.

Dann werde ich verkleidet, sie lieben das. Die Gasgeberin gibt mir ihren türkisen Tüllrock und ein Kopftuch. Der Rock kleidet mich herrlich, Christian meint, er mache “ganz schlank um die Hüften”. Danke. Jetzt soll ich so tun als ob ich Brot backen würde und Christian muss die Fotos machen. Unsere Gastgeberin und ihre Kinder sind begeistert, Juan und Mohamed auch.

Danach gibt es dann wieder picksüßen Tee, Gebäck, Orangen, Datteln und Nüsse. Wir MÜSSEN etwas essen, sonst beleidigen wir unsere Gastgeber: sind wir uns zu fein? Schmeckt es uns nicht? Dabei kommen wir gerade vom sehr üppigen Frühstück, aber es hilft nix. Gaanz langsam essen und langsam trinken ist der Trick.

Dann werden wir nochmals verkleidet, diesmal auch Christian. Fotos. Die kleine Tochter nähert sich nun an und nachdem sie am Anfang kaum zu mir schauen konnte, konnte ich sie doch mit Bonbons und Kinderliedern anfüttern. Am Ende werde ich mit feuchten Küsschen nur so überhäuft.

Schlafen

Die Betten in Marokko sind durchgehend auf der harten Seite, das ist man so gewohnt. Das  ist auch für mich OK, ich kämpfe allerdings mit den knüppelharten hohen Pölstern, die einem die Halswirbelsäule abknicken. Es muss Menschen geben, die das gut finden. Ich bin froh um meine Daunenjacke, die nicht nur an eisigen Abenden Gold wert ist, sondern auch als Polsterfülle dient.

Die Menschen

“Bonjour”, “Welcome, welcome”, “Where are you from”, “Can I help you”. Die Marrokkaner sind sehr sehr freundlich und unaufdringlich, man kann ihnen höflich sagen, dass man ihre Dienste nicht braucht und sie belästigen einen nicht weiter. Mir kommt vor, dass sie viel Stolz haben und sich nicht gerne schlecht behandelnIMG_7462 lassen. Man muss sie also nicht abschütteln wie lästige Insekten. Im Gegenteil, es lohnt sich, sich ihnen zuzuwenden und ein kurzes Gespräch zu führen. Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man ihnen eine kleine Zuwendung gibt, freut es sie, muss aber nicht sein. In den Hotels sind die “Staff” Leute sehr aufmerksam und diskret, richtig angenehm. Ich bin sehr angetan. Sogar die Polizei ist extrem freundlich, sie halten uns öfters auf, aber nur für einen kurzen Plausch und um zu checken, ob alles OK ist, wo man hinwill. Die Menschen sind sehr bemüht um die Tourist
en, vor allem jetzt, wo so viele aus Angst for Terror und Islam ausbleiben.

Sicherheit

Ich war mir ja nicht ganz sicher, wie sicher das Land ist. Jetzt bin ich mir sicher, dass es sehr sicher ist. Das Land ist sehr stark kontrolliert und reglementiert, es gibt strenge Gesetze und die Exekutive funktioniert einwandfrei. Die Angst vor Terroranschlägen im Land ist hoch, denn sie würde den Tourismus, von dem das Land so abhängt, zum Erliegen bringen. An der algerischen Grenze ist man besonders aufmerksam. Jeder Dorfvorsteher ist aufgefordert, ungewöhnliche Vorkommnisse zu melden und zu checken. Wenn Juan zum Beispiel irgendwo campt, kann es sein, dass um 3 in der Früh jemand ins Zelt kommt um nachzusehen, wer er ist. Es funktioniert gut. Auch wir werden genau registriert.

Es gibt auch keine Problem mit Verbrechen an Touristen. Es wirkt vielmehr so, dass man wie eine heilige Kuh behandelt wird, die man zwar gerne melken aber auf keinen Fall schlachten oder verletzen möchte.

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Wirtschaften

Überall wird gewerkt, gefeilt, getöpfert, gehämmert, gefärbt, gegerbt, gehandelt und gebaut. Fast alles wird in Handarbeit hergestellt, die Teppiche, das Arganöl, die Stoffe, der Schmuck. Das Niveau des Kunsthandwerk ist sehr hoch, der Sinn für Ästhetik ist überall erkennbar. Hier kann man sehen, wie die Gegenstände erzeugt wurden, es ist wie ein Blick in die Vergangenheit. Wenn nun Fabriken gebaut werden, in denen das Arganöl maschinell hergestellt wird, raubt man den Frauen ihre Arbeitsgrundlage. Die Männer müssen die Familien verlassen, um in Fabriken zu arbeiten und das soziale Gefüge zerfällt.

Wir sehen keine Supermärkte, alles wird am Markt und in kleinen Geschäften verkauft, das Wirtschaftsgefüge wirkt sehr kleinteilig, bestehend aus vielen selbständigen Akteuren, die miteinander Geschäfte machen. Das Einkaufen wird zu einem sozialen Erlebnis, es wird gehandelt, gelacht, geredet und Tee getrunken. Die Lebensmittel werden offen verkauft und nicht in Plastik verpackt. Wenn ich da an das Einkaufen in unseren Supermärkten oder den französischen Hypermarches denke, werde ich nachdenklich. Hat das unser Leben wirklich besser gemacht?

Gebirgstraßen

Gibt es zur Genüge, wenn man durch den hohen Atlas oder den Antiatlas fährt sollte man einen guten Magen haben. Es ist wunderschön, aber sehr sehr kurvig.

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Im Wüstencamp 

Wir wollen in die Wüste und ich endlich am Kamel durch die Dünen reiten. Juan rät uns ab, eine Tour zu buchen und zeigt uns auf der Karte ein Wüstencamp, dort sollen wir hinfahren, das wird schon gehen mit unserem Auto. Dort würden sie dann ein Mittagessen für uns kochen und von dort aus könnten wir dann alles bekommen, Kamelritt, Ausflug, was wir wollen.

Die Straße zum Camp ist völlig versandet, es scheint uns zu riskant, mit unserem Renault Megane hineinzufahren. Im Sand steckenbleiben ist nicht gut. Wir beschließen also zu Fuß hinzugehen. Es ist nichts angeschrieben, wir haben keine Ahnung wie weit es ist, und wir gehen einfach mal los, die Sandstraße entlang. Die Palmen hören auf, die Dünen beginnen, wir sind in der Sahara. Es ist klirrend heiß und ganz still. Wir gehen und gehen und am Horizont tauchen Gebäude auf, das Wüstencamp. Wir nähern uns, ein Hund kommt angewedelt. Im Wüstencamp ist absolut kein Mensch. Es sieht aus, als hätten die Leute es gerade verlassen. Alles steht offen. Es besteht aus einem gemauerten Teil mit Empfang und Sanitäranlagen und einem großen Aufenthaltsraum und Zelten, die als Schlafzimmer dienen. Alles im Kreis angeordnet. Jetzt kommen 2 Katzen, noch immer keine Menschenseele. Es ist gespenstisch, fast beklemmend.

Wir machen Rast und trinken unser Wasser, sehr viel haben wir nicht mehr. Gleichzeitig kommt ein Wind auf und beschließen, lieber gleich zurückzugehen. Wir sind hier auf völlig neuem Terrain, wir kennen uns nicht aus, wissen nur, dass ein Wüstensturm innerhalb von Sekunden komplett die Sicht und Orientierung nimmt und man sich elend verirren kann, ähnlich wie im Nebel.

Der Wind bläst uns den Sand überallhin, zum Glück haben wir unsere Saharatücher auf und mit. Wir vermummen uns und ich gebe das Tuch sogar über das ganze Gesicht, viel sehen muss ich nicht. Hier verschleiert man sich ganz schnell, Schutz vor Sonne, Wind, Hitze und Sand.

Der Weg zurück ist auch ganz bisschen unheimlich, der Wind wird stärker und als wir im Auto sind, setzt er voll ein. Wir sehen Sandwindhosen und sind froh, dass wir im Auto sind. Das geht dann die ganze Nacht so und am nächsten Tag ist es eiskalt. Das Wetter hat komplett gedreht.

Sozialsystem

Es gibt kein dichtes Sozialnetz und viele Menschen sind auf Betteln angewiesen. Da im Islam Almosen geben eine der 5 Hauptsäulen darstellt ist es üblich, Bettlern Geld zu geben. Wir haben aber recht wenige Bettler gesehen, nicht im Ansatz so viele wie in San Francisco, in der ganze Obdachlosenkolonien existieren.

Schulen, Universität und die Gesundheitsversorgung sind für alle kostenlos, das finde ich äußerst bemerkenswert.

Rückflug

Jeder kenn das Gefühl: man hat eine wundervolle Zeit hinter sich, mit neuen Eindrücken, ist in eine neue Kultur eingetaucht, hat sich 10 Tage wenig um die Weltgeschehnisse gekümmert und sich von Trump&Co erholt.

Dann kommt man zum Gate nach Vienna. Und trifft dort die lieben Landsleute, hört  Wienerisch und fühlt sich gleich ganz heimisch. Meine Lieblinge diesmal war die Partie, die im Sahara Expeditionsoutfit am Flughafen saß, sogar das Tuch noch kunstvoll um den Kopf geschlungen.

Im Flugzeug nimmt dann eine Frau neben mir Platz, am Gang gegenüber ihr Mann, rund um sie die Reisegruppe. Sie beginnt zu schimpfen, den Mann zu beschimpfen “Du bist a echta Bauerntrottl” und miese Stimmung zu verbreiten. Welcome back. Am liebsten hätte ich ihr gesagt, dass sie hier der Trottel ist, aber das wäre kontraproduktiv, der Flug dauert fast 4 Stunden und das Flugzeug war voll. Flucht nach vorne: “Und, haben Sie eine schöne Zeit in Marokko gehabt?” strahle ich sie an. Jetzt beginnt sie zu leuchten und erzählt, zum zweiten Mal schon. Waffe entschärft, zumindest in meine Richtung ist sie freundlich und zuvorkommend. Es ist trotzdem unglaublich, wie jemand vier Stunden schimpfen kann, über die Stewardessen genauso wie über alles andere.

Ein neues Bild von “den Marrokkanern” 

Am Ende unserer Reise haben Christian und ich zur selben Zeit den selben Gedanken: Wenn wir jetzt Marokkaner in Österreich treffen, werden wir ihnen ganz anders begegnen können. Wir werden wissen, aus welch schönem Land sie kommen, wie die Geschichte und die Kultur ist, was sie bewegt und was sie wegtreibt. Wir wissen, wie es möglicherweise ihren Frauen daheim allein geht. Das Bild von “den Marokkanern”, hat sich komplett verändert.

Ich merke wieder wie wichtig es ist, die Länder und Kulturen zu kennIMG_7379en, die in unserer Nähe sind und aus denen Flüchtlinge und Zuwanderer kommen, nicht nur von ihnen zu verlangen, uns kennenzulernen. Eine neue Form von Integration, wenn auch wir ihnen entgegen kommen können, zumindest ein kleines Stückchen. Und dabei vor allem selbst reich beschenkt werden an neuen Erfahrungen und Sichtweisen, die auch den Blick auf uns selber und unsere Welt verändern und erweitern.

KLEINER REISEFÜHRER

Marrakech und Umgebung 

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, in einem Riad zu wohnen, einem der alten Patrizierhäuser in der Altstadt (Medina). Sie sind hinter schweren Türen versteckt und wenn man hineingeht, eröffnet sich eine kleine prachtvolle Luxuswelt. Die Riads bewegen sich preislich von 40-400 Euro / Nacht. Es gibt die extremen Luxuspaläste, und sehr schöne, etwas schlichtere Riads, die mir etwas weniger überladen schienen. Wir haben in diesen gewohnt, beide sehr angenehm und preislich zwischen 40 und 80 Euro pro Zimmer.

Luxus: Riad el FennRiad al Moussika

Normalo Riads, wie es sie wie Sand am Meer gibt, zum Beispiel: Riad UtopiaRiad Farhan

Etwas außerhalb: Beldi Country Club

Cafes: Cafe Nomad, Cafe Espices, Cafe Clock, Cafe France und die Dachterasse vom Musuem der Fotografie

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Restaurants: Restaurant Yacout , Wunderschön und sehr gut (hat auch Zimmer): Palais Lamrani

Im Umkreis von Marrakech:

Ourika Tal: Kasbah Bab Ourika

Asni: Kasbah Tamadot (gehört Richard Branson)

Wunderschön: Anima, der Garten von Andre Heller, unglaublich schön, ca 15 Minuten vom Zentrum entfernt

Ouarzazate: Dar Kamar 

!! Vallée Du Dra: Eine der größten Flussoasen der Welt, wunderschön. Wohnen in der herrlichen Hara Oasis Lodge

!! Sahara: Ganz im Süden, fast schon am Ende der Straße, kurz vor M’Hamid: Die Casa Juan

Tafraoute und das Tal der Ammeln im Antiatlas: ein herrliches Tal.

Wenn man sehr einfach, aber authentisch wohnen mag: Yamina

Durch den Antiatlas nach Taroudant: eine sehr gemütliche Kleinstadt, genannt “Little Marrakech”. Wohnen: Villa Talaa (etwas außerhalb)

Essaouria (wir waren nicht dort)

Riad Baladin, Villa Maroc